Rauhnächte & Rituale

Räuchern in den Rauhnächten: Anleitung mit Kohle oder Stövchen

Was du zum Räuchern brauchst, wie du Schritt für Schritt vorgehst, welche vier Räucherstoffe für die meisten Nächte reichen und wann du lieber darauf verzichtest.

· 4 Min. Lesezeit · von Luminal Editora

Illustration eines Weihrauchzweigs mit Blüten und goldgelben Harzkörnern

Wenn ein Brauch die Rauhnächte ausmacht, dann das Räuchern. Früher räucherte man Haus und Stall aus, um böse Geister zu vertreiben und um Segen zu bitten. Heute nutzen es die meisten, um einen Abend bewusst zu beginnen und einen Raum frisch wirken zu lassen. Die Wirkungen, die man den einzelnen Pflanzen zuschreibt, stammen aus der Überlieferung, nicht aus Studien. Sicher ist: Ein Duft verändert die Stimmung eines Raumes sofort. Und mit einer glühenden Kohle in der Hand hetzt man nicht.

Dieser Beitrag fasst das Kapitel zum Räuchern aus 12 Nächte Ruhe von Naya Sothis zusammen.

Kohle oder Stövchen?

Mit Kohle räucherst du auf die traditionelle Art. Du brauchst eine feuerfeste Schale, die du zur Hälfte mit Sand füllst, Räucherkohle in Tablettenform, eine Zange und einen kleinen Löffel. Die Kohle wird sehr heiß und macht viel Rauch. Sie eignet sich, wenn du durch die ganze Wohnung gehen möchtest.

Mit dem Stövchen wird das Räucherwerk auf einem feinen Metallsieb über einem Teelicht langsam erhitzt, statt zu verbrennen. Das gibt weniger Rauch und einen feineren Duft. Für kleine Wohnungen und stille Abende am Schreibtisch ist das oft die bessere Wahl.

Eine Feder oder ein kleiner Fächer hilft, den Rauch zu verteilen.

So räucherst du mit Kohle

  1. Stell die Schale auf eine hitzebeständige Unterlage, nie direkt auf Holz oder Stoff. Lass in dem Raum, in dem du zum Schluss ankommst, ein Fenster gekippt.
  2. Halte die Kohletablette mit der Zange und zünde sie am Rand an. Leg sie in die Schale auf den Sand.
  3. Warte fünf bis zehn Minuten, bis die Kohle durchgeglüht ist und eine hellgraue Ascheschicht hat. Wer zu früh räuchert, riecht vor allem die Kohle.
  4. Leg eine kleine Messerspitze Räucherwerk auf. Lieber nachlegen als den Raum vernebeln. Atme den Rauch nicht direkt ein.
  5. Geh langsam durch die Räume. Viele beginnen an der Haustür und gehen im Uhrzeigersinn, mit dem Rauch in Ecken, hinter Türen und unter Tische.
  6. Lüfte danach gut. Lass die Kohle in der Schale ausglühen, das kann eine Stunde dauern, und lass sie nie unbeaufsichtigt.

Misch nicht mehr als zwei, höchstens drei Sorten. Wer mag, spricht dabei einen Satz, zum Beispiel: »Altes darf gehen, Neues darf kommen.«

Vier Räucherstoffe für fast alle Nächte

Für die zwölf Nächte werden zehn verschiedene Räucherstoffe empfohlen. Kaufen musst du nicht alle. Mit diesen vier bist du für die meisten Nächte ausgerüstet:

Illustration eines Myrrhenzweigs mit Blüten und rötlichen Harzkörnern unter einer Mondsichel

  • Weihrauch kommt in neun der zwölf Nächte vor. Das getrocknete Harz riecht warm, harzig und leicht zitronig und gilt als reinigend und feierlich. Wenn du nur ein Räucherwerk kaufen willst, dann dieses.
  • Myrrhe ist ebenfalls ein Harz. Sie riecht bitter, erdig und balsamisch und wird mit Ruhe, Trost und Klärung verbunden. Zusammen mit Weihrauch ergibt sie die klassische Mischung der Weihnachtszeit.
  • Wacholder wächst auf Heiden und in lichten Wäldern und war eines der wichtigsten Räucherkräuter des Volksglaubens. Beim Verbrennen knistert er und riecht frisch und harzig.
  • Beifuß findest du an Wegrändern und auf Brachflächen. Er gilt als Kraut der Übergänge und des Loslassens und ist das wichtigste Räucherwerk der sechsten Nacht, in der es ums Verzeihen geht.

Illustration eines Wacholderzweigs mit dunkelblauen Beeren

Vieles wächst auch im Garten oder auf dem Balkon: Salbei, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Rosenblätter, Schafgarbe oder Fichtennadeln. Wichtig ist, dass alles gut getrocknet und nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt ist. Statt Weißem Salbei, der in Kalifornien und Mexiko vielerorts übersammelt wird, kannst du Gartensalbei oder Muskatellersalbei nehmen.

Wann du lieber nicht räucherst

  • bei Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen
  • in der Schwangerschaft, wenn du unsicher bist, ob dir der Rauch guttut. Sprich im Zweifel mit deiner Ärztin oder Hebamme.
  • wenn Vögel in der Wohnung leben
  • wenn kleine Kinder in der Nähe der Schale spielen

Denk auch an den Rauchmelder. Kampfer ist verschluckt giftig und gehört außer Reichweite von Kindern.

Welches Räucherwerk zu welcher Nacht gehört, steht in unserer Übersicht Die Rauhnächte 2026/27.

Bücher zum Beitrag